Verschiebung des Hessischen Politiklehrertags 2020

Aufgrund der aktuellen Corona-Situation hat sich der Vorstand der DVPB-Hessen entschieden, den für den September 2020 geplanten Politiklehrertag zu verschieben. Die Verschiebung ist uns nicht leichtgefallen, insbesondere da wir viele spannende Referentinnen und Referenten gewinnen konnten. Wir freuen uns daher bereits jetzt auf die Durchführung im kommenden Jahr.

Als neuer Termin wurde der 22.9.2021 festgelegt.

Erste Stellungnahme zur Antwort des Ministerpräsidenten Prof. Dr. Lorz zu den geplanten Maßnahmen zur Stärkung schulischer politischer Bildung in Hessen

Am 25.02.2020 erfolgte eine Stellungnahme des Kultusministers auf eine Kleine Anfrage durch Christoph Degen (SPD) im hessischen Landtag. Die vollständige Anfrage sowie die Antwort des Ministers sind unter folgendem Link abrufbar http://starweb.hessen.de/starweb/LIS/servlet.starweb?path=LIS/PdPi_FLMore20.web&search=WP%3d20+and+R%3d2629 .

Die DVPB Hessen teilt die Auffassung des hessischen Kultusministeriums (HKM), dass das Verständnis von politischen Prozessen und politische Urteilsfähigkeit elementare Voraussetzungen für die Partizipation eines mündigen Bürgers in einer Demokratie darstellen.

Um diesem Anspruch gerecht werden zu können, ist es aus Sicht der DVPB jedoch nicht hinnehmbar, dass der Anteil des Fachs Politik und Wirtschaft, der im Schuljahr 2018/2019 an öffentlichen Schulen fachfremd unterrichtet wurde, in den Schulamtsbezirken zwischen 12,9 Prozent und 32,9 Prozent lag. Die schulische politische Bildung muss aus Sicht des Landesverbandes durch sozialwissenschaftlich und fachlich qualifizierte Lehrkräfte kompetent unterrichtet werden. Dies ist derzeit nicht durchgängig gegeben, weshalb wir das HKM auffordern, die benötigten Politik-Wirtschaft-Lehrkräfte einzustellen bzw. hierfür neue Stellen zu schaffen.

Um die Ausweitung des Faches Politik und Wirtschaft in der Sekundarstufe I zu ermöglichen, wird vom HKM ein Mehrbedarf von etwa 50 Stellen an Hauptschulen und integrierten Gesamtschulen angenommen. Auch diese Stellen müssen daher durch entsprechend ausgebildete Lehrkräfte besetzt werden.

Des Weiteren fordert die DVPB Hessen das HKM auf, die Planungen zur Sicherstellung einer Ausweitung des Politikunterrichts zeitnah abzuschließen. Politische Bildung sollte in jeder Klassenstufe als eigenes Fach unterrichtet werden. Nur so kann das Leitbild politischer Bildung, mündige Bürgerinnen und Bürger, erreicht werden.

„Aufgeklärt statt autonom“: Gutachten zu fragwürdigem Unterrichtsmaterial des Innenministeriums

Die beiden Vorstandsmitglieder Christoph Bauer und Martina Tschirner haben im Auftrag der GEW Hessen ein Gutachten zu einem Bildungsmaterial des Vereins „Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung“  in Zusammenarbeit mit dem hessischen Innenministerium: „Aufgeklärt statt autonom“ soll vor Gefahren des Linksextremismus warnen.
Im Kern zeigt das Gutachten auf, dass das Unterrichtsmaterial eher als didaktisierter Verfassungsschutzbericht zu lesen ist, der als Bildungsmaterial zudem manipulativ, einseitig, verfälschend und unkritisch aufgebaut ist.
Der Bericht ist über die Seite der GEW abrufbar.

Tagung 2020: Fachliche Bildung und digitale Transformation in Regensburg

Fachliche Bildung unterliegt grundlegenden Veränderungen im Zei­chen digitaler Transformation. Diese zeigen sich auf der Ebene fachli­chen Lehrens und Lernens. So wandeln sich die Rollenverteilung von Lehrenden wie  Lernenden und das Bewusstsein darüber, wie Verant­wortung in beiden Gruppen verteilt  und genutzt werden kann. Lern­zeiten lassen sich individualisieren und Schülerinnen und Schülern er­öffnen sich neue Räume für selbstgesteuertes und partizipatives fach­liches Lernen. Zugleich sind digitale Formen der Gewinnung, Darstel­lung, Vermittlung und Aneignung fachlichen Wissens  und fachbezo­gener Fähigkeiten weit mehr als neue Werkzeuge des Lehrens und Lernens im Fach. Vielmehr unterliegt jedes Fach und jede Fachdidak­tik auf je eigene Weise einem Prozess digitaler Transformation. Die­ser schließt fachdidaktische Forschung und die Anforderungen an die Lehrerbildung in der ersten, zweiten und dritten Phase mit ein. Auch Fragen digitaler Ethik im Zeichen von Algorithmisierung, Big Data und KI sind berührt.

Die Tagung wird von der Gesellschaft für Fachdidaktik (GFD) ausgerichtet. Die GDF ist der Dachverband der fachdidaktischen Fachgesellschaften in Deutschland, in der auch die DVPB Mitglied ist.

Weitere Informationen finden sich auf der Website der Regensburger Universität: https://www.uni-regensburg.de/physik/didaktik-physik/gfd-tagung-2020/index.html

Neue Impulse: Vorstandsklausur in Heppenheim

Etwa ein Jahr nach der Wahl des aktuellen DVPB-Landesvorstandes in Hessen fand am 29.11. und 30.12. in Heppenheim (Haus am Maiberg) die Vorstandsklausur statt. Diskutiert wurde unter anderem ein Positionspapier mit der Forderung nach einer Stärkung der politischen Bildung in allen Phasen der Lehrerausbildung und im Verhältnis zur Demokratiepädagogik, beschlossen wurde unter anderem die Durchführung verschiedener Veranstaltungen im Jahr 2020.

Weitere Informationen folgen demnächst im Jahresbrief der DVPB-Hessen!IMG-20191204-WA0000

Tagungsbericht “Das Politische in ‘unpolitischen’ Disziplinen”

von Philipp Klingler

Für eine zweitägige Fachtagung unter dem Titel „Das Politische in unpolitischen Disziplinen” trafen sich am 30. September und 1. Oktober 2019  politische Bildner/innen aus der Schule und der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung, Lehrer/innen ganz verschiedener Fächer und Wissenschaftler/innen aus Politikwissenschaft, Politischer Bildung und Sozialer Arbeit im Haus am Maiberg (Heppenheim). Benedikt Widmaier, erster Vorsitzender der DVPB Hessen, hat in Kooperation mit den Landesverbänden der DVPB Hessen und Baden-Württemberg sowie der Heidelberg School of Education diese Tagung organisiert.

Anlass für die Tagung sind die Entwicklungen in Deutschland und der Welt in den letzten Jahren: Obwohl die Öffentlichkeit politisiert wie seit einigen Jahrzehnten nicht mehr wirkt (siehe etwa die Fridays for Future-Bewegung), sieht sich die politische Bildungsarbeit durch Meldeplattformen der „Alternative für Deutschland“ unter Druck gesetzt. Wird Kontroversität zunehmend als störend für die Gesellschaft und die politische Bildungsarbeit selbst gesehen, entpolitisiert sich diese in gefährlichem Maße. Vor diesem Hintergrund diskutierten Teilnehmer/innen aus verschiedenen Handlungsfeldern der politischen Bildung über Politisierung, Entpolitisierung und den politischen Gehalt von unpolitisch wirkenden Disziplinen, wie etwa den Naturwissenschaften.

Den Auftakt gestaltete Juniorprofessor Dr. Alexander Wohnig (Universität Siegen) entlang der Frage, was das Politische in der politischen Bildung eigentlich sei. Er ging von der These aus, dass die politische Bildung in Theorie, aber auch Praxis, unter einer zunehmenden Entpolitisierung und Individualisierung politischer Angelegenheiten leide. Vor diesem Hintergrund machte Wohnig deutlich, dass die Frage nach dem Kern politischer Bildung aktueller denn je ist, will politische Bildung noch ihrer Zielvorstellung mündiger Bürger/innen nachkommen. Anhand seiner empirischen Untersuchungen zeigte Wohnig exemplarisch auf, wie in sozialen Projekten (service learning) auch das politische Lernen umgesetzt werden kann.

Stefan Schäfer (TH Köln) sprach anschließend aus Sicht der Sozialen Arbeit über die Immanenz des Politischen in der Jugendarbeit und Jugendbildung. Er plädierte für eine Soziale Arbeit, die nicht nur das Individuum, sondern auch die Gesellschaft fokussiert. Da das Politische dem gemeinsamen Leben inhärent sei, müsse Soziale Arbeit eine partizipatorische Perspektive im Sinne ihrer Adressat/innen einnehmen.

Die außerschulische politische Bildung an Volkshochschulen war Thema eines Vortrags von Jun.-Prof. Dr. Alexander Wohnig und Dr. Veith Selk (TU Darmstadt). Unter dem Titel “Politischer Populismus überall” stellten sie ein Weiterbildungsangebot für Dozierende an Volkshochschulen zum Themenfeld (Rechts-)Populismus vor.

Diese Vorträge dienten als Vorbereitung für vier Workshops, die sich alle mit dem “Politische in unpolitischen Disziplinen” befassten: Dr. Thomas Schneidermeier vom Goethe-Gymnasium Bensheim und dem Zentrum für Chemie berichtete zu den Möglichkeiten politischer Bildung in den MINT-Fächern, insbesondere Chemie. Er stellte das Projekt „Schule 3.0 – Chemie“ des Zentrums für Chemie (ZFC) vor und zeigte dabei, wie naturwissenschaftliche zugleich gesellschaftliche Themen sind. Ralph Blasche (Neue Gymnasiale Oberstufe, Frankfurt) stellte theoretische Zusammenhänge und praktische Anknüpfungspunkte zwischen Deutschunterricht und politischer Bildung vor. Dabei verdeutlichte er die schon jetzt vorhandenen Möglichkeiten und Perspektiven des Deutschunterrichts an dem geltenden Kerncurriculum in Hessen. In einem zweiten Slot beschäftigten sich Maria Schneider (Universität Gießen) mit Religion als Thema politischer Bildung und Marcel Studt (Heinrich-Kleyer-Schule, Frankfurt) mit dem politischen Gehalt des Ethikunterrichts.

Der Tag wurde durch ein gemeinsames Résumé, moderiert von Benedikt Widmaier, zusammengefasst. Im Zentrum der Plenumsdiskussion stand die Frage, wie man den politischen Gehalt scheinbar “unpolitischer Disziplinen” stärker in den Vordergrund rücken könne.

Der zweite Tag wurde mit der Vorstellung der Leitperspektive Bildung für nachhaltige Entwicklung von Johanna Weselek (Heidelberg School of Education) und dem neu herausgegebenen Leitfaden Demokratiebildung von Robert Feil (Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg) in Baden-Württemberg begonnen. Anschließend stellte Theresa Rütermann (Uhland Grundschule, Mannheim zurzeit abgeordnet an die Heidelberg School of Education) ihr entwickeltes, durchgeführtes und evaluiertes Praxisprojekt zu politischer Bildung mit Grundschüler/innen vor.

In gemeinsamer Diskussion wurden die Erkenntnisse sowie die offenen Fragen der Veranstaltung zusammengefasst und mit Hinblick auf ihren Transfer hinterfragt. Einig waren sich alle Teilnehmer/innen, dass Bildung niemals unpolitisch sein kann – und darf!  Durch das Zusammenkommen der verschiedenen Akteure der politischen Bildungslandschaft – von Lehrer/innen, politischen Bildner/innen in außerschulischen Zusammenhängen über Hochschullehrer/innen und auch Mitarbeiter/innen der Transferstelle für Politische Bildung (ihr Tagungsbericht ist hier zu finden) – wurden zahlreiche Perspektiven der zukünftigen Kooperationen in diesen grundlegenden Fragen und zentralen Herausforderungen gefunden.

Angebot für Neumitglieder!

Neumitglieder in der DVPB Hessen haben seit kurzem die Möglichkeit, als Vorteilsangebot ein Jahr kostenlos die Hefte der „Wochenschau“ aus dem Wochenschau Verlag zu testen. Ein Antragsformular findet sich unter “Mitglied werden”

Fachtagung “Das Politische in ‘unpolitischen’ Disziplinen”

Vom 30.9.2019 bis 1.10.2019 (Beginn der hessischen Herbstferien) findet im Haus am Maiberg in Heppenheim eine Fachtagung zu dem Thema ”Das Politische in ‘unpolitischen’ Disziplinen” statt.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter

https://www.haus-am-maiberg.de/wp-content/uploads/2019/07/das-politische-bw190930-einladung-anmeldung.pdf

 

„Wer hat dem wird gegeben“, Untersuchung zur politischen Bildung in Deutschland

Politische Bildung ist ein zentraler Auftrag von Schule, eine Untersuchung im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt jedoch, dass dies in unterschiedlichen Schulformen sehr verschieden umgesetzt wird. In einer Umfrage unter 3.400 Schüler_innen zeigt sich, Politische Bildung für Schüler_innen von Gymnasien ist oftmals nicht nur umfangreicher, sondern die Schüler_innen am Gymnasium schätzen ihn als abwechslungsreicher und partizipativer ein als die Schüler_innen an anderen Schulformen. Ungleiche Teilhabemöglichkeiten an politischer Bildung spiegeln sich auch in den politischen Einstellungen der Schüler_innen wider.

Der Landesverband der DVPB Hessen unterstützt die Forderung der Autorinnen nach einer Stärkung der politischen Bildung an allen Schulen, weil sich herkunftsbedingte Unterschiede der Schüler_innen im Zugang zur politischen Bildung nicht durch die Wahl der Schulform verstärken dürfen.

Link zu einer Zusammenfassung der Studie: http://library.fes.de/pdf-files/studienfoerderung/15466.pdf

Die vollständige Studie findet sich zum Download unter http://library.fes.de/pdf-files/studienfoerderung/15611.pdf